Die zwei Plagen Brasiliens – Ein Vortragsabend über Amazonien

02. Mai 2021 Zurück zu Aktuelles

Am Donnerstag, den 22.04.2021, haben wir im Auftrag der Eine-Welt-AG bei einer digitalen Veranstaltung rund ums Thema Brasilien teilgenommen. Zusammen mit Herrn Willebrand und anderen Teilnehmern konnten wir uns von Herrn Fatheuer unter der Überschrift „Brasilien heute – zwei Plagen“, um die Themen der aktuellen Corona-Situation und der sowohl wirtschaftlichen als auch politischen Lage in Brasilien informieren lassen. Thomas Fatheuer war viele Jahre lang Leiter des Büros der Heinrich-Böll-Stiftung in Rio de Janeiro und kennt die brasilianischen Verhältnisse wie seine eigene Westentasche. Der Vortrag war überaus informativ und hat uns, was die jetzige Situation in Brasilien angeht, auf den neuesten Stand gebracht. Um auch unsere Schule auf den neusten Stand bringen zu können, sind folgend die wichtigsten Informationen aufgelistet, die bei uns vor allem hängen geblieben sind:

Zuerst ist die aktuelle Coronalage in Brasilien zu erwähnen, welche wirklich erschreckend ist. Laut jetzigem Stand gibt es nämlich insgesamt 14 Millionen Corona-Erkrankte und 380.000 Tote und die aktuelle Sterberate (April 2021) liegt bei ca. 3.000 Menschen am Tag. Außerdem sind die Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie sehr instabil und ungenügend. Durch Bilder einer Präsentation haben wir darüber zu sehen bekommen, dass die Strände am Anfang der Pandemie noch komplett leer und verlassen waren und mittlerweile die U-Bahnen (beispielsweise in São Paolo) stark überfüllt sind. Dazu kommt, dass Präsident Bolsonaro nicht viel von Corona hält und die Pandemie als harmlose Grippe einstuft. Er war lange desinteressiert an Impfungen und lehnt deshalb lange auch das chinesische Vakzin (Coronavac) aggressiv ab.

Trotzdem zeigt sich Hoffnung in Brasilien durch die Produktion von Sinovac (im Bundesstaat Sao Paulo, in Kooperation mit dem Institut Butantan) und AstraZeneca (in Rio de Janeiro, in Kooperation mit Fiocruz). Dazu kommt, dass Brasilien im schnellen und unbürokratischen Impfen große Erfahrungen hat, was bereits durch andere Impfungen deutlich wurde.

Weiter geht es mit der wirtschaftlichen Lage in Brasilien. Hierbei ist zu erwähnen, dass die Rate der Arbeitslosen in Brasilien dieses Jahr um 0,3% angestiegen ist und die Anzahl der Hungernden drastisch zugenommen hat. Zudem ist das Wirtschaftswachstum drastisch ins Minus gegangen. Aber es leiden nicht alle in den Zeiten der Pandemie, denn die Entwicklung des Aktien-Index ist deutlich vorangeschritten.

Darüber hinaus sieht die politische Lage in Brasilien zurzeit so aus: Aktuell ist der Präsident der Republik Brasilien Jair Bolsonaro. Hauptsächlich unterstützt wird er von den Evangelikalen, dem Militär, von Ideologen und Neoliberalen und von Pragmatikern. Nach aktuellem Stand der Regierung gibt es keine parlamentarische Basis, obwohl die traditionellen Parteien im Bündnis sind. Nicht zu vergessen ist, dass der ehemalige Präsident Lula auf die politische Bühne zurückkehrt. Dieser sollte eigentlich ins Gefängnis gehen, doch er wurde vom Obersten Gerichtshof freigesprochen und darf nun wieder als Präsident kandidieren.

Dabei ist er voll im Rennen und könnte aufgrund seiner Stimmenmehrheit Bolsonaro im zweiten Durchgang schlagen. Zum aktuellen Präsidenten ist zu sagen, dass er nicht viel von der Umweltpolitik (inkl. Klima) und den Schutzgebieten für die indigene Bevölkerung hält. Auch die Menschenrechte und die Rechte der indigenen Völker stehen nicht in seinem Interesse. Deshalb fördert er zurzeit die Entwaldung in Amazonien, um dort Viehweiden anlegen zu lassen und mehr Fläche für die industrielle Landwirtschaft zu gewinnen. Außerdem wurden durch Illegalen Holzeinschlag und Illegale Goldgräberei weitere Flächen des Regenwaldes zerstört. Somit hat Brasilien allein im März 810km2 an Regenwald in Amazonien verloren, was etwa der Fläche Berlins entspricht und den höchsten Wert der letzten zehn Jahre bildet. Doch die gute Nachricht ist, dass die indigenen Völker ihre Territorien weiterhin verteidigen. Sie schützen somit ihre Flächen wirksam gegen Entwaldung. Dies ist von großem Vorteil, da ihre Flächen inklusive der Schutzgebiete rund 50% des Regenwaldes ausmachen (ca. 250 Millionen Hektar). Sie bleiben darauf bestehen, dass Fremde nur in Ausnahmefällen in ihre Gebiete dürfen, was auch durch eine von ihnen gestellte Behörde kontrolliert wird.

Das waren die aktuellen Informationen, die wir rund um das Thema „Brasilien heute – zwei Plagen“ bekommen habe. Am Ende der Präsentation waren wir auch noch In der Lage Fragen zum Vortrag stellen, was von uns und Herrn Willebrand auch genutzt wurde. Insgesamt war es wirklich eine tolle Erfahrung und hat uns nochmal etwas vertrauter mit dem Thema Brasilien gemacht. Deshalb ein großes Lob an Herrn Fatheuer und danke, dass wir an der Veranstaltung teilnehmen durften.

Von: Isabelle Schneeweis, Malina Smuda (Klasse 08B)