Schullogo mit Adresse
RSS-Feed      Newsletter      
Kopfbanner der Seite:Startseite
Sie befinden sich hier: root > Aktuelles > 

"Es ist gut, dass sie wieder da ist!"

Vortragsabend in der Gymnasialkirche zur Wiederbeschaffung der Herborner Piscator-Bibel für den Bestand der historischen Lehrerbibliothek


Die historische Lehrerbibliothek des Gymnasium Petrinum ist ein einzigartiger kultureller Schatz der Stadt Recklinghausen, der auf die Bibliothek der Franziskaner zurückgeht, in deren Trägerschaft sich die Schule einst befand. Als der Franziskanerkonvent 1834 aufgelöst wurde, wurde das Bibliotheksinventar gelistet und zur öffentlichen Versteigerung freigegeben. Nur teilweise wurde der Bestand des Franziskanerordens in die seit der Erhebung zum Vollgymnasium 1829 im Aufbau befindliche neue Schulbibliothek überführt. Eine jüngst als Beiheft der Vestischen Zeitschrift von Theodor Lindken erschienene Bestandsaufnahme der Franziskanerbibliothek vor und nach dem Übergang in der Schule in städtische Trägerschaft brachte ans Licht, welche bibliophilen Schätze aus den Beständen der Bibliothek damals abhanden gekommen sind. Herr Dr. Matthias Kordes, Leiter des Instituts für Stadtgeschichte/ Stadt- und Vestisches Archiv in Recklinghausen entwickelte daraufhin die Idee, besonders hervorstechende Bände wieder in den aktuellen Bibliotheksbestand zu überführen, und wies dabei insbesondere auf die Herborner Piscator-Bibel von 1806 hin, eine reformatorische Skandalausgabe ihrer Zeit und dies in einem franziskanischen Konvent.

Mit Unterstützung der Stiftung der Stadtsparkasse Recklinghausen und mit Mitteln des Gymnasialfonds konnte diese Bibelausgabe nun im Jahr des Reformationsjubiläums für die Historische Bibliothek unter dem Dach des Gymnasium Petrinum erworben werden. Im Katalog eines niederländischen Antiquariats wurde eine hervorragend erhaltene Originalausgabe entdeckt und gerade noch rechtzeitig vor der Versteigerung bei einer New Yorker Antiquariatsmesse zurück nach Europa gebracht: eine antiquarische Sensation, schließlich ist die Bibel weltweit nur in wenigen öffentlichen Bibliotheken nachweisbar.

Im Rahmen eines Vortragsabends wurde die Bibel am Mittwoch, 27. September 2017, der Öffentlichkeit präsentiert. Nach eine Begrüßung durch die den Schulleiter Herrn Rembiak und einem Grußwort durch die stellv. Bürgermeisterin Frau Dymke, ordnete Dr. Matthias Kordes, Leiter des Institus für Stadtgeschichte / Vestisches Archiv die Herborner Bibel in ihren lokalhistorischen Kontext ein. Eindrucksvoll zeichnete er den Weg der historischen Bibliothek der Franziskaner durch die Jahrhunderte nach. Anschließend arbeitete Dr. Albrecht Geck, Prof (apl.) für Kirchengeschichte an der Universität Osnabrück und Leiter des IKZG-RE in seinem Vortrag die Bedeutung der Bibelausgabe Piscators für die Reformationsbewegung heraus. Pointiert wies er auf die philologischen Besonderheiten der Bibelübersetzung Piscators hin und zeigt auf, wie der berühmte Einschub "so straffe mich Gott" des Übersetzers in der Bibelstelle Markus 8, 12 zu interpretieren sei.

>Beide Vorträge, die auch in der neuen Zeitschrift Petrinum nachzulesen sein werden, wurden von Schülerinnen und Schülern der Oberstufe des Petrinum musikalisch mit Werken Johann Sebastian Bachs eingerahmt.

Im Anschluss an die Vorträge konnte die vierbändige Bibelausgabe selbst bestaunt werden. Gut geschützt, hinter Glas, wurden ausgewählte Textpassagen der ersten drei Bände mit dem Alten und neuen Testament sowie eindruckvolles Kartenmaterial aus dem vierten Kommentarband präsentiert.

Der Abend endete für neugierige Besucherinnen und Besucher mit einem Aufstieg in den dritten Stock des Petrinum, in dem die historische Lehrerbibliothek beheimatet ist. Dort findet nun auch die Herborner Piscator Bibel ihre neue bzw. alte Heimat in Recklinghausen. Um die Schlussworte des Vortrags von Herrn Dr. Geck zu zitieren: "Es ist gut, dass sie wieder da ist."


Von: Homepage AG